Kardiotechnik

Das Team der Kardiotechnik Graz stellt sich vor

Einer der am wenigsten bekannten, deshalb aber nicht minder wichtigen Berufe im Bereich der Herzchirurgie, ist der des Diplomierten Kardiotechnikers (DKT). Dieser noch relativ junge Beruf hat seinen Ursprung in den 60er Jahren. Die ersten Kardiotechniker kamen aus technischen Berufen, da zu Beginn die Bedienung und Wartung von Geräten im Vordergrund des Tätigkeitsbereichs stand. In früheren Zeiten als „Maschinist“ oder „Perfusionist“ bezeichnet, entwickelte sich der Beruf des DKT zu einem hoch qualifizierten und eigenverantwortlichen Berufszweig, der heute, dank eigenem Bundesgesetz, zu einem fixen Bestandteil in der Herzchirurgie geworden ist. Der medizinische Fortschritt in der Herzchirurgie und die vermehrten Einsatzmöglichkeiten der Herz-Lungen-Maschine (HLM) machten mehr und mehr medizinisches Wissen erforderlich, weshalb heute als Quellberuf ein Gesundheitsberuf erforderlich ist.

Grundvoraussetzung für die Ausbildung zum DKT lt. Ausbildungsverordnung ist:

.) Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege und
.) Sonderausbildung für Anästhesie- und/oder Intensivpflege oder mehrjährige Praxis in
   diesen Spezialbereichen
.) oder Ausbildung zum medizinisch-technischen Dienst (MTA)
.) oder Ausbildung zum radiologisch-technischen Dienst (RTA)
 
Die Ausbildung erfolgt im Rahmen eines Dienstverhältnisses an den als Ausbildungsstellen anerkannten Herzzentren. Die Dauer der Ausbildung beträgt 18 Monate und erfolgt nahezu gänzlich in der Praxis (das theoretische Wissen ist im Selbststudium zu erwerben). Nach 12 Ausbildungsmonaten ist eine Zwischenprüfung abzulegen, die Ausbildung schließt nach 18 Monaten mit einer Diplomprüfung am Bundesministerium für Gesundheit und Familie ab.
Der Auszubildende hat sich hierbei nicht nur ein umfangreiches Wissen über spezielle Technologien und Geräte anzueignen, sondern muss auch insbesondere über medizinische Bereiche wie Anatomie, Physiologie, Pathologie, Pharmakologie, Intensivmedizin, Anästhesie, Kardiologie, Chirurgie usw. bestens bescheid wissen, um bei der im sehr hohen Niveau angesiedelten Diplomprüfung bestehen zu können.
Nach positiv abgeschlossener Ausbildung erfolgt der Eintrag in die Liste der Kardiotechniker der österreichischen Gesellschaft für Kardiotechnik. Von diesem Zeitpunkt an ist der DKT ermächtigt, die ihm zugedachten Tätigkeiten, selbständig und eigenverantwortlich durchzuführen.
 
Die Tätigkeit des DKT umfasst insbesondere:
 
.) die Organisation, Vorbereitung und Durchführung der extrakorporalen Zirkulation (EKZ)
.) die Organisation, Vorbereitung und Durchführung von Perfusionen
.) die Organisation, Vorbereitung und Durchführung von mechanischer  Kreislaufunterstützung und
   extrakorporaler Oxygenierung
.) die eigenverantwortliche Betreuung der berufsspezifischen Geräte
.) die Dokumentation
.) die Mitarbeit an der Forschung
.) die Unterweisung Auszubildender
 
Das Team der Kardiotechnik am Universitätsklinikum Graz, unter der Leitung von DKT Helmut Suppan, besteht aus 9 Diplomierten Kardiotechnikern,  zu deren Aufgabenbereichen die eigenverantwortliche Durchführung der extrakorporalen Zirkulation (EKZ) zur Herz-Kreislaufunterstützung sowie die Perfusion und damit zusammenhängende Tätigkeiten zählen.
Der Hauptaufgabenbereich der DKT am Universitätsklinikum Graz ist in der Durchführung der EKZ im Rahmen von geplanten Herzchirurgischen Eingriffen zu sehen. Für die im Durchschnitt vier geplanten Herzchirurgischen Eingriffe pro Tag stehen dem Team vier Herz-Lungen-Maschinen zur Verfügung, ausgestattet mit verschiedenen Oxygenatoren, aus denen der Kardiotechniker, je nach Patientenerfordernis und geplanter Operation auswählt.
Eine besondere Herausforderung für den DKT stellt die EKZ in der Neugeborenen- und Kinderherzchirurgie dar, wobei teilweise komplexeste Herzmissbildungen schon beim Neugeborenen  korrigiert werden.
Seit dem Frühjahr 2007 steht dem Team der Kardiotechnik ein neues System der EKZ für den Bereich der Koronarchirurgie des Erwachsenen zur Verfügung, welches in dieser Form europaweit erstmals am Universitätsklinikum Graz zum Einsatz kam. Hierbei handelt es sich um ein HLM- System, welches als geschlossenes Minimalsystem ausgeführt ist und somit dem Patienten eine Reihe von Vorteilen bietet. Für den DKT stellen solche Neuerungen im Bereich der HLM- Systeme immer eine immense Herausforderung dar und erfordern von allen Mitgliedern des Teams besonderen Einsatz, um den technischen und medizinischen Anforderungen die solche Neuheiten mit sich bringen, im Sinne des Patienten gerecht werden zu können.
Zu den weiteren Aufgaben des DKT in Graz gehören, wenn auch nicht alltäglich, die Bereitstellung und Durchführung von Lungenersatztherapien (ECMO) auf der Intensivstation, sowie die Mitarbeit bei der Implantation von verschiedenen Herzunterstützungssystemen im Rahmen von Herzversagen (Kunstherz), sowie die Betreuung dieser Systeme auf der Intensivstation. Gerade im Bereich der Herzunterstützung stehen die verschiedensten Systeme zur Verfügung bzw. kommen immer wieder Neuerungen auf den Markt, sodass es für den Kardiotechniker unerlässlich ist, in verschiedenen Fortbildungen sowie Literaturstudien, sein Wissen immer auf dem neuesten Stand zu halten.
Ein weiterer Aufgabenbereich des Kardiotechnikers am Univ. Klinikum Graz ist in der Mitarbeit in der Forschung im Rahmen der experimentellen Chirurgie angesiedelt. Hier trägt der DKT im Rahmen von verschiedenen Studien und Forschungsarbeiten auch zur medizinischen und technischen Weiterentwicklung im Bereich der Herzchirurgie und der Kardiotechnik  bei.
Die Ausübung all dieser Tätigkeiten im Rahmen der Herzchirurgie ist natürlich nur mittels einer funktionierenden Teamarbeit zwischen Kardiochirurgen, Kardioanästhesisten und Kardiotechnikern möglich, um dem Patienten eine bestmögliche Versorgung im Bereich der Herzchirurgie gewährleisten zu können.  

Oxygenator- ©LKH-Univ.Klinikum Graz

DCT Suppan an der HLM - ©LKH-Univ.Klinikum Graz
 

Letzte Aktualisierung: 28.06.2017