Allgemeine Information

Herzchirurgie wird an der Universitätsklinik für Chirurgie seit dem Jahre 1962 durchgeführt. Diese Tradition wird von der 1994 im Rahmen der Neustrukturierung der Medizinischen Fakultät errichteten klinischen Abteilung für Herzchirurgie fortgeführt. Sie ist als eigenständige Abteilung für PatientInnenbetreuung, Lehre und Forschung zuständig, bietet das gesamte Leistungsspektrum der modernen Herzchirurgie an und ist Ausbildungsstätte für die Zusatzfächer Herzchirurgie und Intensivmedizin.
Im Vordergrund der PatientInnenbetreuung steht naturgemäß die operative Behandlung der angeborenen und erworbenen Herzerkrankungen, einschließlich mechanischer Herz- und Lungenassistenzverfahren sowie die Vor- und Nachbetreuung der operierten PatientInnen. Wichtige Aufgaben sind auch die Beratung bei der Entscheidungsfindung zur Operation, die Risikobeurteilung und der Einsatz spezieller interdisziplinärer diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen.
Das Operationsaufkommen der Abteilung liegt bei über 1.300 herzchirurgischen Operationen pro Jahr. Schwerpunkt des Leistungsumfanges ist die Chirurgie der koronaren Herzkrankheit, der stabilen und instabilen Angina Pektoris, des akuten Myokardinfarktes und der Infarktfolgezustände (ischämische Mitralinsuffizienz, Herzwandaneurysma, Ventrikelrupturen etc.). Ein nicht unerheblicher Anteil der aortokoronaren Bypassoperationen erfolgt am schlagenden Herzen ohne Unterstützung durch die Herzlungenmaschine mit Hilfe moderner mechanischer Stabilisatoren. Eine Operationstechnik, die bei hohem Alter und erhöhter Komorbidität der PatientInnen zum Einsatz kommt (sog. minimal invasive & Off-Pump Koronarchirurgie) um eventuelle unerwünschte Folgen der extrakorporalen Perfusion zu verhindern. Auch das Therapiespektrum der atraumatischen, endoskopischen koronaren Revaskularisation wird unter Verwendung des Operationsrobotersystems Zeus angeboten.
 
In der Chirurgie der erworbenen Herzklappenfehler dominiert heute die Aortenstenose vor allem der älteren PatientInnen. Auch hier werden neue minimal invasive Behandlungsmethoden eingesetzt, wodurch Wundschmerz, Operationstrauma und Rehabilitation der PatientInnen erleichtert bzw. verkürzt werden können. Bei den Mitral- und Trikuspidalfehlern finden in über 50 Prozent der PatientInnen plastische Rekonstruktionen Anwendung, während für den prothetischen Klappenersatz eine Vielzahl verschiedener mechanischer und biologischer Klappensubstitute zur Verfügung stehen, deren ausgezeichnete Langzeitfunktion laufend, zuletzt an über 900 KlappenpatientInnen, evaluiert werden konnten.
 
© LKH Univ.-Klinikum Graz, Chirurgie
 
Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt betrifft, neben selteneren neoplastischen Herzerkrankungen, zentralen Pulmonalarterienembolien, Perikarderkrankungen und der maschinellen Aufwärmung schwer hypothermierter PatientInnen (Lawinenopfer), vor allem Dissektionen und Aneurysmen der thorakalen Aorta. Die Erfahrungen der Abteilung umfassen hier über 400 Operationen an der aufsteigenden Aorta, dem Aortenbogen und an der deszendierenden Aorta. Operationen, die infolge der Zunahme älterer Altersgruppen mit Hypertonus etc. immer häufiger notwendig werden.
Die Kinderherzchirurgie hat in Graz immer schon einen besonderen Stellenwert und verschiebt sich heute immer mehr in Richtung komplexer Fehlbildungen, da einfache Vitien vielfach im pädiatrisch kardiologischen Vorfeld interventionell behandelt werden können. Besondere Erfahrungen bestehen hier mit der Behandlung univentriklärer Herzfehler, d.h. komplexen Fehlbildungen mit nur einer funktionstüchtigen Herzkammer die, Dank der operativ-technischen, pharmakologischen und intensivmedizinischen Fortschritte, sehr erfolgreich mit geringem Operationsrisiko behandelt werden können.
Auch die Herzschrittmacherimplantationen, zur Behandlung der bradykarden und tachykarden Herzrhythmusstörungen, sind ein wesentlicher Teil des chirurgischen Behandlungsspektrums. Des weiteren auch Implantationen von Unterstützungspumpen, Port-A-Cath- und ECMO-Systemen und natürlich auch die Versorgung von posttraumatischen Herz- und Aortenverletzungen.
Während jährlich ca. 1.500 PatientInnen stationär an der Abteilung betreut werden, erfolgt die Versorgung von über 3.000 PatientInnen ambulant in den Herzklappen- und Koronarnachsorgeambulanzen, der Herzschrittmacherambulanz und der Ambulanz für thorakale Aortenaneurysmen.



Letzte Aktualisierung: 09.04.2013