Transplantationschirurgie, Lebertransplantation

Informationen für Zuweiser

Indikationen zur Lebertransplantation
 
Indikationen zur Lebertransplantation sind chronische und akute Lebererkrankungen im fortgeschrittenen Stadium.

1. Erkrankungen, die mit Leberparenchymschäden einhergehen

• posthepatitisch (Hepatitis B, C, D) Leberzirrhose
• autoimmunhepatitis bedingte Leberzirrhose
• alkoholische Leberzirrhose
• kryptogen (idiopatische Leberzirrhose)

2. Erkrankungen, die primär das Gallenwegssystem betreffen bzw. davon ausgehen

• Primär biliäre Zirrhose (PBC)
• Sekundär biliäre Zirrhose (SBC)
• Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)
• Sekundär sklerosierende Cholangitis (SSC)
• Extrahepatische Gallengangsatresie
• Medikamentös-toxische Cholestase
• Chronische Verschlechterung der Transplantatfunktion nach erfolgter Lebertransplantation
 (Chronische Abstoßung)
• u.v.m.

3. Primäre Stoffwechselerkrankungen

• Morbus Wilson
• Alpha1-Antitrypsinmangel
• Hämochromatose
• familiäre Amyloidose
• u.v.m.

4. Vaskuläre Erkrankungen

• Budd Chiari Syndrom
• Morbus Osler

5. Neoplastische Erkrankungen 
    Im Ausnahmefall stellen neoplastische Erkrankungen eine Indikation zur Lebertransplantation dar:

• Hepatozelluläres Karzinom (innerhalb der Mazzaferro- oder Up-to-7-Kriterien, mit downstaging; 
   KI: extrahepatische Manifestation, Pfortadereinbruch)
• Hepatisch metastasierende neuroendokrine Tumore
• Im Ausnahmefall kann die Indikation eines intrahepatischen, inoperablen CCC oder HCC/CCC-
   Mischtumors mit negativem Lymphknotenstatus und unter 2 cm Durchmesser in Erwägung 
   gezogen werden.

6. Seltene Erkrankungen:
• Lebertrauma oder Leberzysten (Zystenleber, Echinokokkus alveolaris)
 7. Akute Lebererkrankungen
• Fulminante Virushepatitis (Hepatitis A, B,C,D,E)
• Intoxikationen (z.B. Amanita Phalloides, Paracetamol...)
• Primäre Nichtfunktion nach erfolgter Lebertransplantation
• u.v.m.
Eine Evaluierung zur Transplantation kann ab einem Child´s Score B (7 Punkte) und einem MELD-Score von 13 Punkten angedacht werden. Die Indikationsstellung bei akutem Leberversagen richtet sich nach den Clichy- bzw. Kings-College-Kriterien, bei HCC nach den Mazzaferro- bzw. Up-to-7-Kriterien.

Kontraindikationen zur Lebertransplantation
 
Absolute Kontraindikationen
• Unkontrollierte, systemische Infektionen, Sepsis
• Malignomerkrankung (außer HCC)
• Extrahepatische Manifestation eines HCC
• Cholangiozelluläres Karzinom (nur in Ausnahmefällen oder Studien)
• Fortgesetzter Alkohol- oder Drogenabusus
• Schwere psychiatrische Erkrankungen
• Fortgeschrittene KHK, Herzinsuffizienz
Relative Kontraindikationen:

• Malignomerkrankung (abhängig von Art, Histo, Rezidivfreiheit)
 
Risikofaktoren, welche individuell beurteilt werden:

• Schwere Mangelernährung
• BMI über 40 
• Alter
• Pfortaderthrombose
 
Evaluierung und LTx-Checkliste
 
Die für die Listung zur LTx benötigten Untersuchungen (z.B. Blutuntersuchungen, Magen-, Darmspiegelung, Computertomographie, Ultraschall vom Herz...) sind in der LTx-Checkliste, die Sie auf unserer Homepage finden, zusammengefasst und können entweder in unserem Zentrum oder bei unseren Kooperationspartnern stationär und/oder ambulant durchgeführt werden.
 
 
Interdisziplinäre LTx-Indikationskonferenz
 
Die Befunde aller Patientinnen und Patienten, die für eine Lebertransplantation in Frage kommen, werden in einer interdisziplinären Lebertransplantations-Indikationskonferenz besprochen. Dabei handelt es sich um spezialisierte Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen, die anhand bestimmter objektiv nachvollziehbarer Kriterien, eine Entscheidung treffen, ob eine Lebertransplantation möglich ist. Wenn diese Entscheidung positiv ist, erfolgt die Aufklärung und Listung bei Eurotransplant.
 
Organallokation 
 
Österreich ist ein Mitglied von Eurotransplant und daher gelten folgende Richtlinien für die Organallokation von Organspendern:
Organe aus Österreich werden primär regional alloziert, d.h.: Lebern der spendermeldenden Krankenanstalten werden primär für dieses ET- Zentrum angeboten. Ausgenommen sind High-urgent (HU) - Empfänger des gesamten ET-Raumes – hier müssen die Organe international alloziert werden. Um dennoch die Balance in Österreich aufrecht zu erhalten, muss das HU-Empfänger-Zentrum das nächste passende Organ an das Spenderzentrum in Österreich zurückgeben (sog. Payback – System oder Obligation)
 
Das Ranking und Auswahlverfahren von Patientinnen und Patienten auf der Leberwarteliste beruht in erster Linie auf medizinischer Dringlichkeit, ABO-Blutgruppensystem, Körpergewicht des/r Organspenders/in sowie der Wartezeit. 
 
Formen der Lebertransplantation
 
• Transplantation einer gesamten Leber (full-size): Ersatz der erkrankten Leber durch ein gesundes
    Organ von einem Organspender.
• Teil-(Split-)Lebertransplantation: Ersatz der erkrankten Leber durch einen Teil eines gesunden
   Organs von einem Organspender.
• Transplantation nach Leber-Lebendspende (Sonderform der Teil-(Split-) Lebertransplantation):
   Unter bestimmten Umständen kann auch ein Teil der Leber eines Lebendspenders das kranken 
   Organ ersetzen.
 
Ergebnisse der Lebertransplantation

Statistisch überleben ca. 90 % der Patientinnen und Patienten das erste Jahr, nach 5 Jahren sind noch ca. drei Viertel der Lebern funktionstüchtig. Die Überlebensraten von Lebendspender-Leber sind vergleichbar gut.
 
Lebertransplantationen in Graz pro Jahr seit 1998:

 

Lebertransplantationen in Graz pro Jahr seit 1998