Allgemeines zur Plastischen Chirurgie

Die vier Säulen der Plastischen Chirurgie
 
Die Plastische Chirurgie gliedert sich in die Bereiche Rekonstruktive Chirurgie, Handchirurgie, Ästhetische Chirurgie und Verbrennungschirurgie. Diese vier Bereiche kann man sich als Säulen eines griechischen Tempels vorstellen, die auf dem Fundament  permanenter wissenschaftlicher Forschung und universitärer Lehre stehen. Damit wird auch die Weiterentwicklung des Fachgebiets und die gute Ausbildung zukünftiger Chirurginnen und Chirurgen sichergestellt. 
Die vier „Säulen“ der Plastischen Chirurgie beinhalten unterschiedliche Spezialisierungen:

Rekonstruktive Chirurgie
Die Rekonstruktive Chirurgie wird notwendig, wenn Form und Funktion des Körpers wiederhergestellt werden müssen. In der Regel ist dies nach einem Unfall, einer Krebsoperation oder bei angeborenen Fehlbildungen der Fall. Plastisch-rekonstruktive Chirurginnen und Chirurgen korrigieren Haut und Weichteile, Muskeln, Sehnen und periphere Nerven sowie Knochen und Knorpel. Sie stellen Funktionen an den Gliedmaßen wieder her, ebenso wie die Fähigkeit zur Mimik im Gesicht.

Auch abgetrennte Gliedmaßen können wieder erfolgreich angenäht werden. Mit Hilfe des Mikroskops und extrem kleinen Instrumenten kann der Chirurg sogar einzelne Nerven wieder reparieren. So können selbst Lähmungen und Sensibilitätsverluste oft mikrochirurgisch oder mit so genannten Ersatzoperationen erfolgreich therapiert werden.
Zum rekonstruktiven Einsatzgebiet gehört außerdem die Entfernung von Blutschwämmen sowie von gutartigen und bösartigen Haut- oder Weichteiltumoren.
Einer der häufigsten durchgeführten Eingriffe ist die Brustrekonstruktion nach einer Brustkrebsoperation. Hier stehen mittlerweile unterschiedliche Verfahren und Techniken zur Verfügung.

Handchirurgie
Die Hand stellt flächenmäßig zwar nur einen relativ kleinen Teil unseres Körpers dar, sie verfügt jedoch über eine Vielzahl hoch entwickelter Funktionen, die dem Menschen unvergleichliche handwerkliche, gestalterische, künstlerische und emotionale Ausdrucksmöglichkeiten gibt.
Diese Funktionalität wird durch ein einzigartiges Zusammenspiel der anatomischen Strukturen wie Knochen und Gelenken, Muskeln und Sehnen, Nerven und Blutgefäßen ermöglicht. Die Hand ist damit ein äußerst kompliziertes Organ, das zugleich stark exponiert und besonders verletzlich ist.
Die vielen unterschiedlichen, für die Gebrauchsfähigkeit der Hand wesentlichen anatomischen Funktionen setzen für eine erfolgreiche Behandlung von Verletzungen und Erkrankungen umfangreiche Kenntnisse der Ärztinnen und Ärzte voraus.
Deshalb spielt die Plastische Chirurgie eine wichtige Rolle bezüglich der Planung korrekter Hautschnitte sowie den vielfachen Möglichkeiten des Gewebeersatzes, zum Beispiel durch Lappenplastiken oder Transplantationen.
Der Einsatz mikrochirurgischer Techniken ermöglicht die Rekonstruktion von feinsten Nerven und Gefäßen, die Replantationen abgetrennter Finger sowie den Fingerersatz. 

Verbrennungschirurgie
Die Verbrennungschirurgie befasst sich mit dem größten und empfindlichsten Organ des Menschen – der Haut. Wird sie verbrüht, verbrannt oder verätzt, beginnt ein oft sehr schmerzhafter und langwieriger Heilungsprozess. Während eine leichte (erstgradige oder oberflächlich zweitgradige) Verbrennung ohne chirurgischen Eingriff und fast immer ohne Narben verheilt, erfordern schwerere Verbrennungen (tief zweitgradig und drittgradig) plastisch-chirurgische Hilfe. Neben der Wiederherstellung des schützenden Hautmantels liegt das Hauptaugenmerk dabei auf der Wiederherstellung der Bewegungsfunktionen. In der rekonstruktiven Phase kümmert sich die Verbrennungschirurgie auch um ästhetische Korrekturen. 

Ästhetische Chirurgie
Menschen, die einen ästhetisch-plastischen Chirurgen aufsuchen, sind in der Regel nicht krank, sondern unzufrieden mit ihrem Aussehen. Diese Unzufriedenheit kann sich auch in mangelndem Selbstvertrauen, in Minderwertigkeitsgefühlen und depressiven Stimmungsbildern mit Schwierigkeiten der Alltagsbewältigung ausdrücken.
Bedingt durch die Fülle der operativen Möglichkeiten ist die Beratung der Patientinnen und Patienten heute eine Kernaufgabe der ästhetisch-plastischen Chirurginnen und Chirurgen. Da prinzipiell jeder Eingriff Risiken mit sich bringt, müssen die Patientinnen und Patienten genau über die Erfolgsaussichten und möglichen Komplikationen eines Eingriffs aufgeklärt werden. Nur wenn die Patientinnen und Patienten mit realistischen Erwartungen in den OP-Saal gehen, kann eine ästhetisch chirurgische Operation zu einem besseren Körpergefühl führen. Das Ziel der ästhetisch-plastischen Chirurgie ist immer eine Harmonisierung der äußeren Erscheinung. 

Forschung und Lehre in der Plastischen Chirurgie
Grundlage für die positive Weiterentwicklung des Fachgebietes Plastische Chirurgie ist die kontinuierliche Forschungs- und Lehrtätigkeit in diesem Fachgebiet. Im Bereich der Forschung befassen wir uns vor allem mit Fragen der regenerativen Medizin und mit den Möglichkeiten des komplexen Gewebeersatzes. Wesentliche Interessensgebiete stellen dabei die Wundheilung und das so genannte Tissue Engineering, die künstliche Herstellung von „Gewebematerial“ für rekonstruktive Eingriffe dar. 

Im Fokus des wissenschaftlichen Interesses steht derzeit das Haut- und Fettgewebe, da sich Plastische Chirurgie seit Beginn mit der Formung der Körperoberfläche beschäftigt hat. Neben der "Form" des menschlichen Körpers liegt ein Hauptaugenmerk auf der "Funktion" insbesondere im Bereich der Hand und der Extremitäten. Dementsprechend beschäftigt sich die Forschung in der Plastischen Chirurgie auch mit den peripheren Nerven, den Muskeln und Gefäßen.

Letzte Aktualisierung: 20.02.2013