Informationen zur Geschichte der Abteilung

Die Plastische Chirurgie in Graz blickt auf eine lange Tradition zurück. Herausragende Lehrstuhlinhaber waren unter anderem:    
  • Carl Egyd Ritter von Rzehaczek, der 1852/53 über Operationen bei Hasenscharten berichtete und 1870 erste Hauttransplantationen (Reverdin-Plastik) durchführte.
     
  • Carl Nicoladoni, vertrat ab 1895 den Grazer Lehrstuhl für Plastische Chirurgie und entwickelte das weltberühmte Verfahren des Daumenersatzes nach Daumenamputation durch einen mehrzeitigen Zehentransfer.
     
  • Viktor von Hacker, wurde 1903 nach Graz berufen und führte so genannte gestielte Hautlappenplastiken (Lappenplastiken unter Erhalt der bestehenden Versorgung mit Blutgefäßen und Nerven) zur Speiseröhrenrekonstruktion nach Tumoroperationen durch.

  • Hans v. Seemen wurde ab 1939 durch Gesichtsrekonstruktionen bei Brandverletzten bekannt.

1970 wurde an der Univ. Klinik für Chirurgie ein Department für Plastische Chirurgie unter der Leitung von Prof. Dr. Hans Pierer eingerichtet. Damit war der Grundstein für die Entwicklung der Plastischen Chirurgie als eigenständiges Fach gelegt. Im Jahr darauf folgte Walter Deutschmann als Departmentleiter und fünf Jahre später, 1975, wurde die mikrochirurgische Operationstechnik in Graz wie auch an vielen Abteilungen der ganzen Welt eingeführt. Dadurch wurde die Replantation abgetrennter Körperteile möglich. Schon 1977 wurde die erste Replantation eines amputierten Oberarmes durchgeführt und ein so genannter Replantationsdienst 1979 eingerichtet. Speziell die Mikrochirurgie übte einen ungeheuren Impuls auf die Plastische Chirurgie aus. Durch diese Operationstechnik wurde es möglich, nahezu jedes Gewebe an jede Körperstelle zu transplantieren.  

Die mikrochirurgischen Techniken werden speziell zur Rekonstruktion von Körperteilen und Gewebe nach schweren Unfällen mit Gewebsverlust oder nach ausgedehnten Tumoroperationen verwendet. 1992 erfolgte dann im Rahmen einer Neustrukturierung die Gründung der Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, deren Abteilungsleiter Univ. Prof. Dr. Erwin Scharnagl bis 2010 war.
 
Heute stellt sich die Plastische Chirurgie als so genanntes Sonderdach dar, das sich um vier Teilgebiete bemüht: 
  • Rekonstruktive Chirurgie
  • Handchirurgie
  • Verbrennungschirurgie
  • Ästhetische Chirurgie
Viele Patientinnen und Patienten werden aufgrund der Komplexität ihrer Verletzungen nicht nur von plastischen Chirurginnen und Chirurgen allein, sondern in Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen operiert. Besondere Krankheitsbilder werden auch in interdisziplinären Arbeitsgruppen diagnostiziert und behandelt. So beschäftigt sich z.B. die Arbeitsgruppe für angeborene Gefäßanomalien mit dem Problemfeld „Blut- und Lymphgefäßfehlbildung“. Als angeborene Gefäßfehlbildungen oder Gefäßanomalien werden gutartige Gefäßtumore wie Blutschwämme (Hämangiome) und fehlentwickelte Gefäße (vaskuläre Malformationen) bezeichnet. Sie sind die häufigsten Fehlbildungen in der Kindheit und können auch im Jugend- oder Erwachsenenalter erstmalig in Erscheinung treten. Je nach Ausprägung kann es zu funktionellen, kosmetischen und psychischen Störungen kommen. Da es eine Vielzahl von Unterformen gibt und die Variationsbreite der klinischen Erscheinungsformen sehr groß ist, sind auch unterschiedliche Therapieformen möglich. Diagnostik und Behandlung werden in unserer interdisziplinären Arbeitsgruppe für angeborene Gefäßanomalien festgelegt und gemeinsam mit den Patienten besprochen.
 
Im Rahmen der interdisziplinären Arbeitsgruppe „Tumoren des Bewegungsapparates“ werden durch die plastische Chirurgie verloren gegangene Formen und Funktionen des Körpers nach ausgedehnten Tumoroperationen durch Gewebsersatz rekonstruiert. Im Rahmen des Brustzentrums Graz wird von Seiten der Plastischen Chirurgie die Wiederherstellung der weiblichen Brust angeboten.
 
Plastische Chirurgie ist somit ein Fachgebiet, das in der Medizin in vielfältiger Weise interdisziplinär arbeitet. Darüber hinaus wird durch die Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie der Kontakt zu auswärtigen Krankenhäusern und Kliniken sowie zur niedergelassenen KollegInnenschaft aktiv gesucht, um Patientinnen und Patienten bestmöglich behandeln zu können.
 
Die Behandlung und Betreuung durch unsere Abteilung orientiert sich an den Bedürfnissen unserer Patientinnen und Patienten.
Letzte Aktualisierung: 04.04.2018