Geschichte von 1782-1996

 

​Wenige Jahre später (1788) gründete Kaiser Josef der II. im Lambrechter Hof am Paulus Tor das „Allgemeine Krankenhaus“ und erst dadurch konnte sich die Chirurgie gleichberechtigt zur Medizin entfalten. Die anscheinend zu jeder Zeit bestehenden finanziellen Nöte von Gemeinde und Land verhinderten die Erhebung der bereits bestehenden Lehrkanzeln zur Fakultät. Zum Teil aufgrund großzügiger Spenden privater Geldinstitute konnte schließlich eine Sicherstellung der Geldmittel erreicht werden, sodass am 13.Jänner 1863 die Medizinische Fakultät auf kaiserlichem Befehl errichtet werden konnte.
 
Als erster Ordinarius für Chirurgie wurde Karl Ritter von Rzehaczek mit aller höchster Entschließung vom 14.April 1863 ernannt. Er wurde damals „in seinem Fach zu den ersten Zelebritäten der Monarchie gerechnet“. Rzehaczek hat die Galvanokaustik als die beste Möglichkeit der Vermeidung von Blutungen an Operationsstellen eingeführt. Ihm folgte
Anton Wölfler, der älteste Schüler Billroths. Dieser hatte operativ als erster auf Vorschlag Nikoladonis die vordere Magen-Darm-Verbindung ausgeführt. Er wurde 1895 durch Karl Nicoladoni  abgelöst. Dieser gilt als Schöpfer der Sehnenverpflanzung. Er leitete die Geschicke der Chirurgie bis er 1902 in Graz verstarb.
 
Wiederum folgte ihm ein Billroth Schüler und zwar Viktor von Hacker, welcher bis 1924 Ordinarius war. Neben der Magenchirurgie waren es vor allem Eingriffe an der Speiseröhre, sowie die Plastische Chirurgie, die seine Zeit geprägt haben.
In seine Schaffensperiode fällt die Planung des neuen Landeskrankenhauses an der Riesstrasse, welches 1912 bezogen werden konnte. Es galt damals als modernstes und größtes Krankenhaus Europas.
 
Hans von Haberer–Kremshohenstein war 1924 sein Nachfolger. Er war ein Schüler Anton von Eiselsberg und vorher Ordinarius in Innsbruck gewesen. Sein bevorzugtes Arbeitsgebiet war die Magenchirurgie. Führte er doch die Magenresektion als Routinemaßnahme beim gutartigen Geschwürsleiden ein.
 
1928 wurde von Haberer durch Wolfgang Denk  abgelöst, dem besonders die Thorax-chirurgie am Herzen lag. 1932 folgte er dem Ruf an die II. Chirurgische Klinik nach Wien.
 
Peter von Walzel–Wiesentreu leitete von 1932 – 1937 diese Klinik. Sein Interesse galt vor allem dem Ausbau der Gallenwegschirurgie und der operativen Behandlung der Lungentuberkulose.
 
Nach politischen Wirrnissen zwischen 1937 und 1938 wurde der durch Supplenten geleitete Lehrstuhl 1939 durch den Lexer-Schüler Hans von Seemen besetzt. Durch seine Erfolge in der Plastischen- und Elektrochirurgie wurde er international bekannt.
 
1943 bis 1947 folgte als Ordinarius Adolf Winkelbauer, der besonders die totale Magenresektion beim Magenkrebs mit ausgezeichneten Erfolgen weiter ausbaute.
 
1948 wurde Franz Spath als Nachfolger von Adolf Winkelbauer berufen. In dieser schweren Zeit nach dem 2. Weltkrieg galt es, den Vorsprung der westlichen Länder aufzuholen. Er legte sein Augenmerk neben seinem Lieblingsgebiet der Magenchirurgie auf den Ausbau der Neuro-Thorax- und Unfallchirurgie. Unter seiner Leitung erfolgte die erste Herzoperation mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine am 19.11.1962. Zu dieser Zeit umfasste seine Klinik alle Fächer der Chirurgie. Dazu kam noch die Planung und bauliche Ausführung des Erweiterungsbaues der Chirurgischen Univ. Klinik.
 
Nach Bewältigung dieser großen Aufgaben wurde Franz Spath Ende 1970 emeritiert und Julius Kraft-Kinz zum Vorstand der Univ. Klinik für Chirurgie ernannt. Unter ihm wurde das Departmentsystem eingeführt, sodass es schließlich Departments für Unfallchirurgie, Plastische Chirurgie, Bluttransfusion und Blutgruppenserologie, Urologie, Hyperbare Chirurgie und Thoraxchirurgie, Orthopädie, Gefäßchirurgie, Experimentelle Chirurgie sowie Allgemein- und Herzchirurgie gegeben hat. Damit wurde der erste Schritt in eine zunehmende Spezialisierung getan.
 
Unter Kraft-Kinz wurde darüber hinaus vor allem die Kinderherzchirurgie aber auch die Herzchirurgie auf einen, nicht nur in Österreich, anerkannten hohen Standard gebracht.
Mit der Einführung des UOG 75 ist es schließlich und endlich Ende der 80iger Jahre zur Gründung von Klinischen Abteilungen gekommen. Während sich die Urologie und Unfallchirurgie zu eigenen Kliniken entwickelten, hatten sich auf der anderen Seite aus den Departments Klinische Abteilungen mit neuer Rechtsform entwickelt.
 
So war nunmehr die Chirurgische Univ.Klinik in Klinische Abteilungen für Allgemeinchirurgie, Gefäßchirurgie, Herzchirurgie, Plastische Chirurgie, Thorax- und Hyperbare Chirurgie und Orthopädie entwickelt.

Organigramm der Grazer Univ. Klinik für Chirurgie per Juli 2010:
Zusätzlich wurde durch die Entwicklung der Transplantationschirurgie notwendig gewordene Klinische Abteilung für Transplantationschirurgie aus der Taufe gehoben und in den Reigen der anderen Klinischen Abteilungen aufgenommen. Unter dem dafür berufenen Abteilungsleiter Karlheinz Tscheliessnigg wurde die Transplantationschirurgie in Graz etabliert und die Herz-, Herz-Lungen-, Leber-, Nieren- und kombinierte Nieren- Bauchspeicheldrüsen-Transplantationen eingeführt.
 
In seine Amtszeit fallen auch die Einführung von neuen Kunstherzen, der dynamischen Cardiomyoplastie (1.Durchführung im deutschsprachigen Raum), sowie die Einführung des Multisite-Pacings weltweit zum ersten Mal als Bridging-Methode zur Transplantation.
 
Als weitere wichtige Forschungsprojekte in seiner Amtszeit seien die Pankreas-Inselzell-Xenotransplantation, die zelluläre Cardiomyoplastie, bei der Skelettmuskel als Herzaugmentation verwendet werden sowie die Stammzelltransplantation ins Herz erwähnt. Weiters soll in diesem Zusammenhang die Entwicklung eines nicht invasiven Abstoßungsmonitorings (CHARM) über Spezialschrittmacher nach Herztransplantationen, sowie die Überwachung der Patienten auf den Herzwartelisten mit einem Monitorsystem (Chronicle) genannt werden.
 
Das Department für Blutgruppenserologie und Immunhämatologie blieb zu diesem Zeitpunkt landschaftliches Department und wurde erst 2000 zu einer eigenen Klinik.
 
2001 folgte die Klinikwerdung der Orthopädie.
 
Die Forschungsschwerpunkte der Klinischen Abteilung für Allgemeinchirurgie unter Hans-Jörg Mischinger ,liegen vor allem im Bereich der von ihm vorangetriebenen Leberchirurgie, sowie minimal invasiven Chirurgie.
 
Die Klinische Abteilung für Gefäßchirurgie unter dem Leiter Günther Koch, hat vor allem die Eingriffe an den großen Gefäßen (Aorta und Carotis) zur weiteren Routine entwickelt und einen ausgezeichneten Standard erreicht. Im Jahr 2005 hat Frau Tina Cohnert die Leitung der Klinischen Abteilung für Gefäßchirurgie übernommen.
 
An der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie unter der Leitung von Bruno Rigler, ist die von Julius Kraft Kinz begonnene Kinderherzchirurgie weiter ausgebaut worden. Darüberhinaus ist auch hier versucht worden durch minimal invasive Eingriffe und Forschung im Bereich der Klappen- und Arteriosklerose (Homocystein), die Wissenschaft und Routine in diesem Bereich weiter voranzutreiben.
 
An der Klinischen Abteilung für Plastische Chirurgie unter Herrn Erwin Scharnagel, ist sowohl die Verbrennungsbehandlung als auch die Replantation großer abgetrennter Gliedmaßen vorangetrieben worden.
 
An der Klinischen Abteilung für Thorax- & Hyperbare Chirurgie unter Herrn Gerhard Friehs, wurde einerseits der Standard der Thoraxchirurgie in Österreich richtungsweisend vorgegeben, die endoskopische Thoraxchirurgie weiter vorangetrieben und die Hyperbare Medizin auf höchstem Stand gebracht. Damit besitzt die Univ.Klinik für Chirurgie an der Klinischen Abteilung für Thorax- & Hyperbare Chirurgie die einzige Groß-Druckkammer im südeuropäischen Bereich. Im Jahr 2003 hat Frau Freyja-Maria  Smolle-Juettner die Leitung der Klinischen Abteilung für Thorax- & Hyperbare Chirurgie übernommen.
 
Die Klinische Abteilung für Orthopädie, zuerst unter dem Abteilungsleiter Oskar Stampfl und dann nach dessen Tod ersetzt durch Reinhard Windhager hat sich vor allem durch die wissenschaftlich sehr weit vorangetriebene Tumorchirurgie und Prothetik hervorgetan.
 
Leo Kronberger war Leiter der Chirurgischen Forschung und Stellvertreter von Julius Kraft-Kinz.

Nach Emeritierung von Julius Kraft-Kinz 1996 folgte Karlheinz Tscheliessnigg als nächster Vorstand bis 2012.

Mit Oktober 2012 hat Hans-Jörg Mischinger die Klinikleitung übernommen.

Letzte Aktualisierung: 12.10.2012